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Ärger beim direkten QSL-Versand

Gastautor dieses Artikels: DL6VDX, Kirsten

Ich bin ein wirklich sehr geduldiger und ausgeglichener Mensch, jedoch gibt es mitunter Dinge, die mir irgendwann, wenn der Tropfen den Stein ausgiebig gehöhlt hat, die Hutschnur hochgehen lassen. Einige dieser Dinge begegnen mir immer wieder, wenn ich die QSL-Karten meines Lebensgefährten DL7VDX manage.

Als ausgesprochener DXer ist es natürlich sein Ziel möglichst alle DXCCs nicht nur zu „erfunken“, sondern diese auch per QSL-Karte bestätigt zu bekommen. Und hier beginnt nun die Geschichte, welche mich ordentlich zu nerven beginnt und meinem Gerechtigkeitssinn entgegen arbeitet.

Circa vierteljährlich knöpfe ich mir das Logbuch von DL7VDX vor und schreibe QSL-Karten oder beantrage diese über OQRS  oder per E-Mail. QRZ.com ist für mich das erste Mittel der Wahl,  um nach dem Call der Gegenstation zu suchen und zu erfahren, wie man es denn so mit dem QSL-Karten-Versand hält. Im Laufe der vergangenen fünf Jahre fiel mir dabei auf, dass das „Büro“ als Versandoption offenbar stark an Popularität verloren hat. Sehr viele Stationen warten mit dieser Versandoption gänzlich nicht mehr auf, auch E-QSL oder LOTW sind eher selten zu finden, ebenso das wunderbare OQRS. Ganz oft, statistisch gesehen in 6 von 10 Fällen, ist nur der Direktversand möglich. Natürlich muss man hier einen kleinen differenzierenden Einwurf einfügen: mittlerweile ist das, was Ron an DXCCs sammelt, nicht mehr unbedingt das, was man oft  auf den Bändern hört, sondern entsprechend selten, weit entfernt, in Ländern und Gegenden, die man mitunter erst mal auf der Landkarte suchen muss.  Aber sollte dieses Merkmal „selten“ alleiniger Grund dafür sein, für den QSO-Partner, welcher eine normale Bestätigung dieses QSOs haben möchte, nun kostenintensive Wege bereit zu stellen, diese auch zu bekommen?

Dass nicht jeder Amateurfunker dieser Welt Zugriff auf ein Büro zum Versand seiner QSL-Karten hat, ist mir vollkommen klar. Dass nicht jeder Amateurfunker dieser Welt mit E-QSL, LOTW oder OQRS arbeiten kann oder auch möchte, ist mir ebenfalls geläufig. Dies verdamme ich auch gar nicht. Was ich allerdings anprangere, ist der Umstand, dass der Direktversand gefühlt inflationär um sich greift und das hat vermutlich einen simplen Grund, der im monetären Bereich zu suchen ist. Und hier kommt nun auch anscheinend das oben genannte Merkmal „selten“ zum Tragen. Der Bedarf ist da, also kann man sich das ja auch schon mal bezahlen lassen.

QSL Karten direktversand

Bereit für den direkten Versand…

Ich habe auch nichts dagegen, dass sich Stationen, die keine Lust auf bzw. Zeit für die eigene QSL-Karten-Bearbeitung haben, oder auch gar nicht die Möglichkeit besitzen, dies selbst zu tun, einen QSL-Manager suchen. Es scheint mir eine eigentlich ehrenwerte Arbeit, im Rahmen des Ham-Spirit, anderen Amateurfunkern die Bestätigung von QSOs abzunehmen. Nur fühlt es sich mittlerweile so an, als ob sich hinter so einigen QSL-Managern und auch so manchen seltenen Stationen, eine Art Kleinunternehmen verbirgt, das aus dem direkten QSL-Karten-Versand ein Geschäft gemacht hat und sich dadurch hinzuverdient.  Als DXer, der DXCCs sammelt, ist man auf die Bestätigung seiner QSOs angewiesen… und genau mit dieser „Not“ wird seitens der QSL-Manager und der eben angesprochenen Stationen gearbeitet.

Nachfolgend ein paar Beispiele, wer sich angesprochen fühlen sollte:

Das Muss des Mehraufwandes auf Senderseite

Da gibt es z.B. die Manager, welche ausdrücklich verlangen, nur 1 QSL pro Umschlag zu senden. Diese Manager haben das große Glück, sehr viele seltene und gefragte Stationen unter ihre Fittiche genommen zu haben. Als Beispiel seien hier EA7FTR und EA5KB genannt (sobald ich diese Calls schon lese, verdrehen sich bei mir automatisch die Augen). EA7FTR fordert dies in Großbuchstaben  auf seiner Seite bei qrz.com. Auch auf seiner Homepage stehen die Bedingungen des Direkt-QSL-Versands noch einmal sehr klar, kompakt und deutlich aufgeführt. Dort wird man auch sehr freundlich darauf hingewiesen, dass, sollte man nicht einverstanden mit seinen Bedingungen sein, es lieber gleich bleiben lassen sollte, die Bestätigung eines QSOs vom ihm abzufordern. Wir haben es nicht sein lassen, da wir die Bestätigungen brauchten und haben im Laufe der Jahre, wie gewünscht, für jedes einzelne QSL einen einzelnen Brief versandt, auch wenn wir bei den einzelnen Versandaktionen durchaus hätten Porto und grüne Briefmarken sparen können.  Das liegt aber offenbar nicht im Interesse der Manager.

Leider bleibt uns EA7FTR eine Erklärung, warum er nur 1 QSL pro Umschlag wünscht, schuldig. Ich kann es mir nicht wirklich logisch erklären, da der Versand mehrerer QSLs in einem Umschlag eindeutig umweltschonender wäre (es spart Papier) und auf der Senderseite den Aufwand des Schreibens und natürlich auch des Portos verringern würde. Mittlerweile kann man bei EA7FTR auch OQRSen, doch auch hier wird, selbstverständlich, Geld verlangt: und zwar ganze 3 Euro pro QSL.

Mehr Geld als eigentlich notwendig

Die zweite für mich sehr ärgerliche Unart ist jene, für den Rückversand der QSL-Karte im selbstgefertigten und mitübersandten SAE, mehr grüne Briefmarken zu wünschen, als dies eigentlich notwendig wäre. Ich habe mir angewöhnt, trotz unzureichender Sprachkenntnisse (abgesehen vom Englischen), die Webseiten der einzelnen nationalen Postunternehmen aufzurufen und dort so lange zu suchen, bis ich über das tatsächliche Porto eines international (nach Europa) zu versendenden Briefes mit einem Gewicht von ca. 20 g stolpere. Viele Webseiten bieten einen Portorechner an und meistens sind diese, sofern es sich nicht um Sprachen mit anderen Schriftzeichen handelt, auch ohne das Beherrschen der jeweiligen Sprache zu verstehen.

Da gäbe es zum einen JX9JKA, mit Direkt-Adresse in Norwegen, der 3 Dollar für den Direkt-Karten-Versand verlangt.  Zunächst dachte ich mir nichts dabei, da wir alle wissen: Norwegen ist schön, aber teuer. Das müsse dann wohl auch für die Post gelten. Aber:

Portokosten-Norwegen

Das Porto ist zwar teurer, als hierzulande, aber wenn ich 12,00 norwegische Kronen in USD umrechne, dann komme ich nicht über die $ 2 – Grenze. Aktuell  sind es $ 1,48.

Auch bei den Spaniern fällt mir diese Diskrepanz des Öfteren auf. Hier zu nennen sei erneut mein Lieblingsmanager EA7FTR, der bis vor kurzem noch die mittlerweile üblichen 2 Dollar wünschte, sich aber wohl in seinem Verlangen hochgearbeitet hat: jetzt sind es 3 Dollar (pro Umschlag natürlich). Wohlgemerkt sollten diese grünen Briefmarken oder IRC eigentlich für den Rückversand der QSL-Karte im selbstgefertigten SAE gedacht sein. Die spanische Post sagt uns nun folgendes:

Portokosten-Spanische-Post

Der Kalkulator errechnet für einen internationalen Standardbrief bis zu 20g ein Porto von € 0,76, was am heutigen Tage $ 0,81 ergibt. Wenn ich beide Augen ganz ganz fest zudrücke, sehe ich bei den aktuellen Kursschwankungen vielleicht noch 2 Dollar ein, aber 3 Dollar? Im Leben nicht!

EA5KB, der 2 Dollar nimmt, ist wenigstens so ehrlich und erklärt uns auf seiner qrz.com-Seite, dass sein Management-Geschäft Kosten produziert und er daher auf Spenden angewiesen ist. Diese Spenden jedoch bereits durch das geforderte Beifügen von $ 2, also einem zusätzlichen Dollar, abzufordern, widerspricht meines Erachtens der Definition einer Spende, welche freiwillig und kein Muss ist!

Auch die Russen sind mit von der Partie, wenn es darum geht, ordentlich Dollar zu schicken. Es werde gemeinhin 2 Dollar verlangt, z.B. vom Manager RW6HS oder R1ZY. Was sehen wir jedoch auf der Seite der russischen Post?:

Portokalkulator russische Post

Selbst wenn wir den teuersten Tarif nehmen würden, kämen wir auf noch nicht mal 1 $, der benötigt würde, um die QSL-Karte zu versenden.

Nun mag man vielleicht einwerfen wollen, dass doch 1 Dollar gar nicht so viel ist und man dies doch einfach mal machen könne, ohne groß darüber nachzudenken. Die Leute machen das ja schließlich unentgeltlich und da tut doch der eine Dollar nicht weh. Das mag für den Versand von einigen wenigen Direkt-QSL-Karten pro Jahr schon stimmen. Bei Versandchargen von bis zu 50 Briefumschlägen werde ich hier aber absichtlich geizig oder vielmehr sparsam und rege mich insbesondere bei jenen QSL-Managern auf, die an die 100 Stationen betreuen und jeden Tag bestimmt nicht nur einen zusätzlichen Dollar erhalten.

Das Kuriosum der Rücklaufquote

Als Person, welche sich die Mühe gemacht hat, eine Direkt-Karte zu versenden und dafür mehr als die grünen Briefmarken ausgegeben hat, ärgert mich auch der Umstand, dass der Rücklauf bei dieser Versandart scheinbar abnimmt. Waren es bei der ersten Charge im Jahr 2010 noch ein Rücklauf von 80%, bei der 2. Charge in 2010/2011 sogar 83%, sank dieser in 2012 auf 77% und in 2013 sogar auf 71%, im Übrigen bei steigender Anzahl der pro Charge versandten Briefe. Für das Jahr 2014 besteht derzeit ein prozentualer Rücklauf von ca. 76% und ich sehe keine Hoffnung mehr (Versanddatum Oktober 2014), dass hier noch das eine oder andere Prozent hinzukommt.

Link: QSL-Direktversand Tabelle

Gewiss gibt es das Argument, dass die Briefe gestohlen, geöffnet, vernichtet, fehlgeleitet etc. pp. wurden. Dieses Argument lasse ich auch in so manchen Fällen gelten, aber ich denke nicht, dass das für alle noch ausstehenden QSL-Karten gilt, welche weder direkt noch über das Büro bei uns eintrudelten. Ich dokumentiere das Ganze seit 2010. Ich möchte nicht allzu sehr schimpfen, denn vielleicht gibt es gute Gründe, die hinter dem Ausbleiben dieser, in meinen Augen zu hohen, Prozentzahl an QSL-Karten stecken. Nur leider kenne ich diese nicht. Möglicherweise habe ich zu wenige Dollar in die Briefumschläge gesteckt bzw. nur die tatsächlich benötigte Anzahl für den Rückversand? Ich werde es vermutlich nie erfahren, ob mein „Geiz“ der Grund für das Ausbleiben ist oder aber die lähmende Freude über meine gesandten Dollar auf der Gegenseite,  die es verhindert, mir die gewünschte Karte auch zuzusenden.

Bereicherung? Das 2 in 1 Phänomen.

In jüngster Zeit haben wir nun noch extrem unverschämte Dinge erlebt. Vor kurzer Zeit erhielten wir die direkt geforderte QSL-Karte von 4K6OF in einem Umschlag zurück. In diesem Umschlag steckte zu unserer Verwunderung noch eine weitere QSL-Karte eines uns unbekannten OMs aus Deutschland, ohne jegliche Erklärung. Wir gaben dem guten OM nun die Chance, sich zu erklären und schrieben ihm eine E-Mail, ob es sich dabei vielleicht um ein Versehen handeln würde. Kann ja mal passieren. Sofern er jedoch wünschen würde, dass wir diese Karte direkt an diesen OM versenden, so möge er doch auf das in der E-Mail benannte PayPal Konto einen Dollar einzahlen, dann würden wir das freundlicherweise für ihn übernehmen. Immerhin hatte er ja von uns 2 Dollar bekommen (die im Übrigen gereicht hätten, uns UND dem anderen OM jeweils einen Brief zu schicken, das teilten wir 4K6OF auch mit). Leider erhielten wir weder eine Antwort, noch eine Zahlung von dem netten Herrn. Damit der deutsche OM nun aber doch noch zu seiner Karte kommt, werden wir diese über das Büro versenden.

Wer denkt, dass es sich hierbei um einen merkwürdigen Einzelfall handelt, dem sei gesagt, dass derlei Gebaren offenbar die Runde macht. Erst gestern nämlich erhielten wir unser Direkt-QSL von ZP6CW, mit einer weiteren QSL-Karte an einen spanischen! OM. Diese scheint ZP6CW schon einmal  via Büro nach Spanien geschickt zu haben. Da der spanische OM jedoch offenbar kein Büro hat, ging sie unverrichteter Dinge wieder zurück nach Paraguay und liegt nun auf unserem Tisch, erneut ohne Erklärung, ohne einen Dollar, den wir benötigen würden, um die Karte direkt nach Spanien zu schicken. Wir sind jetzt mal so nett und schicken diese Karte auch via Büro, denn (der spanische OM hat ja keins) dann landet sie erneut in Paraguay bei ZP6CW und er muss sich was neues einfallen lassen oder ein anderes Opfer auswählen. Das ist echt ein absolutes No Go!

Etwas sollte bei der ganzen Direkt-QSL-Karten-Versenderei auch auf Seite derjenigen, die offenbar mehr als nur Kosten für den Rückversand einfordern mal bedacht werden (ein Appell, der bei vielen sicher in ein Ohr hineingeht, um sofort auf dem anderen Ohr wieder herauszukommen, ohne auch nur einmal kurz beachtet worden zu sein): auch wir, die sich eine Bestätigung wünschen, haben Kosten und diese sind durchaus als recht umfangreich zu bezeichnen. Auch wir gestalten und drucken QSL-Karten und bezahlen dafür, auch wir müssen uns um die Beschaffung von „grünen Briefmarken“ kümmern (wer nicht anders kann, als zum Exchange zu gehen, zahlt dafür unter Umständen Gebühren), auch wir haben Ausgaben für die Briefumschläge (die sind pro Briefumschlag vielleicht als marginal zu betrachten, aber die Summe macht es) und auch wir zahlen die Portokosten für den Versand unserer QSL-Karten an die Stationen oder die QSL-Manager weltweit. Und uns gibt keiner einen zusätzlichen Dollar dafür!

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4 Responses to "Ärger beim direkten QSL-Versand"

  1. Denis DL5SFC sagt:

    Hallo,
    vielen Dank für den Klasse Bericht.
    Tja , warten wir mal was noch so auf uns zukommt..

    Grüße
    von der schwäbischen Alb
    Denis
    DL5SFC

  2. Joachim sagt:

    Stimme Dir vollständig zu. Sind wir nicht auch selber Schuld an dieser Entwicklung? Wenn ich sehe, dass einer unverschämt abzocken will verzichte ich auf die Karte, auch wenn ich sie noch so gern hätte. Wenn sie auf ihren Karten sitzen bleiben, werden sie sicher umdenken.
    73 J.

  3. Norbert (DF1GN) sagt:

    Alles vollkommen richtig – leider wehren sich, wie immer im Leben, zu wenige dagegen.
    Ich „kaufe“ mir wirklich nur die aller notwendigsten, sprich seltensten, QSL’s auf diesem
    Wege.
    73 Norbert

  4. Walter, DL1KSW sagt:

    Hallo,

    ich habe 23 Jahre für das DXCC 100 gebraucht, da ich viele Jahre eine schlechte Antenne und Standort hatte, einige Zeit kaum zum Funken kam.

    Bei den sehr seltenen Länder habe ich 2 green Stmaps investiert, da ich sonst noch hätte Jahre warten müssen, um an die 100 zu kommen.

    Verzicht klingt einfach, wenn das DXCC oder andere Diplome uninteressant sind…….

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DL7VDX, Ron, DOK D20 .